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Krankheiten
Hufrehe
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Die Diagnose steht: Hufrehe. Und noch bevor der Schreck verflogen ist, drängt sich schon die nächste Frage auf – was darf jetzt überhaupt noch in den Trog? Gras runter vom Plan, Kraftfutter stoppen, so viel ist klar. Aber gar nichts mehr füttern? Genau das ist der Fehler, den viele aus Angst machen.
Bei Hufrehe zählt nicht weniger Futter, sondern das richtige. Die Grundlage bleibt Raufutter – zucker- und stärkearm, am besten analysiert. Hier bekommst du eine klare Linie: was im akuten Schub sofort raus muss, wie viel Heu wirklich sinnvoll ist und wie du nach dem Schub weiterfütterst, ohne den nächsten zu riskieren.
Im akuten Schub zählt eine klare Linie: Alles, was schnell Zucker und Stärke liefert, kommt raus. Diese Kohlenhydrate treiben den Insulinspiegel hoch, und genau das belastet die ohnehin gereizte Huflederhaut zusätzlich. Je schneller diese Futtermittel weg sind, desto eher entlastest du den Stoffwechsel.
Das gehört jetzt aus dem Plan:
Weide und frisches Gras – der größte und oft unterschätzte Zuckerlieferant. Runter von der Wiese, auf grasfreien Auslauf oder in die Box, kein „nur kurz noch“.
Kraftfutter, Müsli und Getreide (auch Hafer und Mais) – stärkereich und im Schub schlicht ungeeignet.
Mash mit Zucker oder Getreide – nicht jedes Mash ist harmlos, viele Produkte sind genau das Falsche.
Brot, Semmeln und altes Gebäck – reine Stärke, kein Pferdefutter.
Äpfel und größere Mengen Karotten – im Schub komplett pausieren, auch wenn sie „gesund“ wirken.
Leckerlis – die meisten stecken voller Zucker, Getreide oder Melasse.
Was bleibt, ist Raufutter – nicht in beliebiger Menge und nicht irgendein Heu, aber als feste Grundlage. Wie viel und welches genau, dazu gleich mehr.
Hier biegen viele falsch ab: Hufrehe heißt nicht weniger füttern, sondern anders füttern. Aus Angst, das Futter könnte schaden, lassen manche ihr Pferd stundenlang hungern oder kürzen das Heu radikal zusammen. Das entlastet den Huf nicht. Lange Fresspausen bedeuten Stress, der Pferdemagen produziert auch leer weiter Säure, und gerade bei Ponys und stark übergewichtigen Pferden kann zu hartes Kürzen eine gefährliche Stoffwechselentgleisung auslösen.
Steuere die Menge stattdessen über engmaschige Heunetze und mehrere kleine Portionen über den Tag. Kontrolliert füttern statt aushungern – das ist der Unterschied, der zählt.
Heu ist die Grundlage – im Schub und danach. Aber „Heu“ ist nicht automatisch „geeignet“. Zwei Fragen entscheiden: wie viel, und welches.
Als grobe Orientierung bekommen Rehepferde etwa 1,5–2 % ihres Körpergewichts als Raufutter pro Tag, bezogen auf Trockenmasse. Wo genau du landest, hängt vom Körperzustand ab:
Richtwerte pro Tag, berechnet als Trockenmasse
| Körpergewicht | 1,5 %eher Übergewicht | 2 %eher Normalgewicht |
|---|---|---|
| 300 kg Pony | 4,5 kg | 6 kg |
| 400 kg | 6 kg | 8 kg |
| 500 kg | 7,5 kg | 10 kg |
| 600 kg | 9 kg | 12 kg |
Die Werte sind Trockenmasse, nicht das abgewogene Heu. Heu enthält noch Restfeuchte – in der Praxis wiegst du etwas mehr ab (7,5 kg Trockenmasse entsprechen je nach Heu etwa 8,5–9 kg). Geh nicht unter 1,5 % ohne tierärztliche Begleitung – zu starkes Kürzen kann den Stoffwechsel gefährden.
Was du dabei nicht tun solltest: radikal unter diese Spanne gehen. Unter 1,5 % des Körpergewichts gehört nur unter tierärztliche Begleitung – und das hat einen ernsten Grund. Gerade Ponys und stark übergewichtige Pferde können bei zu harter Futterreduktion eine Hyperlipämie entwickeln, eine gefährliche Stoffwechselentgleisung, bei der der Körper unkontrolliert Fett mobilisiert. Abnehmen ja, aber langsam und kontrolliert, nicht per Hungerkur.
Noch ein Punkt zur Menge: Die Werte beziehen sich auf Trockenmasse. Bei gewässertem Heu oder Heulage steckt deutlich mehr Wasser drin – die nasse Menge in der Schubkarre ist dann höher als die reine Trockenmasse.
Gutes Rehe-Heu ist sauber, staubarm, schimmelfrei und eher rohfaserreich – also nicht der erste, weiche Schnitt, sondern später geschnittenes, strukturreiches Heu. Und hier sitzt ein weit verbreiteter Denkfehler: Wir beurteilen Heu nach Optik und Geruch. Süß duftendes, weiches, sattgrünes Heu fühlt sich „besser“ an – für ein rehegefährdetes Pferd kann aber genau dieses energiereiche Heu zum Problem werden. Wie viel Zucker und Stärke wirklich drinstecken, kannst du nicht sehen, riechen oder ertasten. Das sagt dir nur eine Analyse.
Eine Heuanalyse kostet wenig und nimmt dir das Rätselraten ab. Wichtig sind:
Zucker und Stärke – die zentralen Werte, weil sie den Insulinspiegel treiben.
WSC (wasserlösliche Kohlenhydrate) – umfassen Einfachzucker plus Fruktane.
ESC (ethanollösliche Kohlenhydrate) – die schnell verfügbaren Zucker, die für den Insulinstoffwechsel am relevantesten sind.
Hier wird es kurz fachlich, lohnt sich aber: „NSC“ ist nicht gleich „NSC“. Der Wert wird je nach Labor unterschiedlich berechnet, klassisch als WSC + Stärke. Für stoffwechselempfindliche Pferde ist aber vor allem ESC + Stärke aussagekräftig, weil das die Kohlenhydrate sind, die den Insulinspiegel direkt nach oben ziehen. Als Orientierung tauchen häufig Zielwerte um 10 % auf – entscheidend ist aber, dass die Analyse nicht nur abgeheftet, sondern richtig gelesen wird. Im Zweifel hilft ein Futterberater oder Tierarzt beim Einordnen.
Wässern kann einen Teil der wasserlöslichen Zucker (WSC) herausspülen – eine Option, wenn du nur zuckerreiches Heu zur Verfügung hast. Ein Allheilmittel ist es nicht:
Es senkt den Zucker, aber nicht zuverlässig und nicht beliebig weit.
Es schwemmt auch Mineralstoffe aus, die dem Pferd dann fehlen.
Nasses Heu verdirbt schnell – bei Wärme wird es hygienisch kritisch und muss zeitnah gefüttert werden.
Es ersetzt keine Analyse: Bei stark zuckerreichem Heu reicht Wässern unter Umständen nicht aus.
Kurz: Wässern ist ein Werkzeug, keine Garantie. Die sauberere Lösung ist analysiertes, von vornherein zuckerarmes Heu.
Lange galt Eiweiß als der große Hufrehe-Auslöser – „zu viel Eiweiß im Futter“ war die Standarderklärung. Heute wissen wir: Das Problem sitzt woanders. Bei den meisten stoffwechselbedingten Rehefällen geht es um Zucker und Stärke, nicht um Protein.
Der Mechanismus dahinter ist Insulin. Zucker und Stärke aus Gras, Heu, Getreide oder Müsli lassen den Blutzucker steigen, der Körper schüttet Insulin aus. Bleibt dieser Spiegel dauerhaft hoch oder schießt er nach zuckerreichen Mahlzeiten stark nach oben, schädigt das die Aufhängung des Hufbeins in der Huflederhaut – die Verbindung lockert sich, und genau das ist der Kern der endokrinen Hufrehe. Wie stark ein Pferd reagiert, ist individuell und hängt davon ab, wie empfindlich sein Stoffwechsel auf Zucker und Stärke antwortet.
Drei Hintergründe stecken besonders oft dahinter:
EMS (Equines Metabolisches Syndrom): meist übergewichtige, leichtfuttrige Pferde mit Fettpolstern, etwa am Mähnenkamm. Der Insulinstoffwechsel ist gestört, das Reherisiko hoch.
PPID (Cushing): eine hormonelle Erkrankung älterer Pferde, die häufig mit einer Insulinstörung einhergeht und damit ebenfalls Rehe begünstigt.
Insulindysregulation: der gemeinsame Nenner – das Pferd reagiert übermäßig stark auf Zucker und Stärke. Sie kann zusammen mit EMS oder PPID auftreten, aber auch für sich stehen.
Und Fruktan? Über Jahre galt Fruktan im Gras als der Hauptschuldige. Diese Sicht ist überholt – sie stammt aus Versuchen mit hohen Fruktan-Überdosen, die mit normalem Grasen wenig zu tun haben. Relevant bleibt Fruktan trotzdem, denn fruktanreiches Gras ist meist auch zucker- und energiereiches Gras. Aber das einfache Bild „Fruktan allein macht Hufrehe“ greift zu kurz. Was zählt, ist die gesamte Kohlenhydratlast – und wie der einzelne Stoffwechsel darauf reagiert.
Kaum etwas verunsichert so wie die Frage nach der Weide – Grasen gehört für ein Pferd schließlich zum normalen Leben. Im akuten Schub ist die Antwort trotzdem eindeutig: kein Weidegang. Frisches Gras ist der größte und am schwersten kontrollierbare Zuckerlieferant überhaupt. Solange die Lederhaut entzündet ist, hat es auf der Wiese nichts zu suchen.
Langfristig liegt die Sache differenzierter. Ob, wann und wie viel Weide wieder möglich ist, hängt von der Ursache ab, vom Insulinstatus, vom Gewicht, von der Jahreszeit und vom Management – das entscheidest du nicht allein, sondern mit deinem Tierarzt. Ein pauschales „nie wieder Gras“ ist genauso falsch wie sorgloses Anweiden.
Gras bildet bei Sonnenlicht Zucker und verbraucht ihn fürs Wachstum. Stockt das Wachstum, während die Sonne weiter Zucker produziert, staut er sich an. Genau das passiert in den kritischen Phasen:
Frühjahr und Herbst: das frische, schnell wachsende Gras im Frühling und der zweite Schub im Herbst sind besonders energiereich.
Sonnige Tage nach kalten Nächten: tagsüber Sonne, nachts Frost – die Pflanze produziert Zucker, kann ihn in der Kälte aber nicht fürs Wachstum nutzen. Er sammelt sich, oft bis in den Vormittag hinein.
Gestresstes Gras: Trockenheit, Frost oder ein kahl gefressener Bestand setzen die Pflanze unter Stress – und gestresstes Gras ist häufig zuckerreicher, nicht ärmer.
Daraus folgt ein Punkt, der viele überrascht: Eine kurze, abgefressene „Magerweide“ ist nicht automatisch sicher. Kurzes, ständig nachwachsendes Gras kann besonders viel Zucker enthalten, und das Pferd frisst dabei dicht über dem zuckerreichen unteren Halmbereich.
Die naheliegende Idee – einfach die Weidezeit begrenzen – greift häufig zu kurz. Pferde merken schnell, dass die Zeit knapp ist, und nehmen dann in kurzer Zeit erstaunlich große Mengen auf. Eine Stunde Weide bedeutet nicht automatisch ein Drittel der Grasmenge von drei Stunden.
Zuverlässiger steuerst du die Aufnahme über:
Fressbremse (Maulkorb): reduziert die aufgenommene Menge, auch bei dauerhaftem Zugang.
Portions- oder Streifenweide: kleine, abgesteckte Flächen statt der ganzen Koppel.
Grasfreier Auslauf oder Paddock in den Risikophasen, kombiniert mit kontrolliertem Heu.
Inhalt für die Praxisbox (Salbei):
Besonders vorsichtig solltest du sein bei:
übergewichtigen Ponys und leichtfuttrigen Rassen
Pferden mit früherer Hufrehe in der Vorgeschichte
diagnostiziertem EMS oder PPID/Cushing
auffälligen Fettpolstern, etwa am Mähnenkamm
wiederkehrender Fühligkeit oder klammem Gang nach dem Weidegang
Bei diesen Pferden ist das Reherisiko erhöht – hier lohnt sich besondere Zurückhaltung beim Gras und eine enge Abstimmung mit dem Tierarzt.
Hier kommt die schnelle Orientierung für den Stallalltag. Die Tabelle teilt gängige Futtermittel in drei Gruppen: geeignet, individuell zu prüfen und im Schub bzw. grundsätzlich zu meiden. „Individuell prüfen“ heißt: nicht pauschal verboten, aber nur mit Blick auf die Gesamtration und am besten mit Tierarzt oder Futterberater abgestimmt.
Schnelle Orientierung für den Trog. Im akuten Schub gilt die strengste Linie.
| Futtermittel | Einschätzung | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Zuckerarmes Heu | geeignet | Basis der Ration, möglichst analysiert |
| Heucobs (zucker- und stärkearm) | geeignet | als Heuersatz oder fürs alte Pferd, immer einweichen |
| Mineralfutter (melasse- und getreidefrei) | geeignet | deckt Nährstoffe, ohne Energie draufzulegen |
| Gewässertes Heu | individuell prüfen | senkt Zucker, wäscht aber Mineralstoffe aus, eher Notlösung |
| Stroh | individuell prüfen | verlängert die Fresszeit, nur ergänzend, nicht als Hauptfutter |
| Unmelassierte Rübenschnitzel | individuell prüfen | niedriger glykämischer Index, eingeweicht; melassierte meiden |
| Luzerne | individuell prüfen | zucker- und stärkearm, aber eiweiß- und energiereich, Menge im Blick behalten |
| Leinsamen und Leinkuchen | individuell prüfen | zuckerarm, liefern Eiweiß und Fett, gezielt einsetzen |
| Öle (z. B. Leinöl) | individuell prüfen | reine Energie ohne Zuckerspitze, eher fürs dünne Pferd, nicht bei Übergewicht |
| Bierhefe | individuell prüfen | liefert B-Vitamine, kein Zucker- oder Stärkeproblem, kleine Ergänzungsmenge |
| Gras und Weide | im Schub meiden | größter Zuckerlieferant, später nur streng kontrolliert |
| Äpfel | im Schub meiden | viel Zucker, später höchstens sehr kleine Mengen |
| Karotten | im Schub meiden | im Schub raus, später kleine Mengen nur bei stabiler Lage |
| Müsli | meiden | meist Zucker, Stärke oder Melasse |
| Getreide, Hafer, Mais | meiden | stärkereich, treibt den Insulinspiegel |
| Brot und Semmeln | meiden | reine Stärke, kein Pferdefutter |
| Mash (zuckrig oder getreidehaltig) | meiden | viele Produkte ungeeignet, Zusammensetzung genau lesen |
| Leckerlis | meiden | meist Zucker, Getreide oder Melasse |
„Individuell prüfen" heißt: nicht pauschal verboten, aber nur mit Blick auf die Gesamtration, am besten mit Tierarzt oder Futterberater. Vieles, was im akuten Schub tabu ist, kann später in kleinen Mengen zurückkommen – wenn das Pferd stabil ist und die Ursache im Griff. Bei EMS oder Insulindysregulation bleibt die Zurückhaltung dauerhaft strenger.
Ein Muster zieht sich durch die ganze Tabelle: melassefrei, getreidefrei, zucker- und stärkearm. Wenn du ein Futtermittel danach abklopfst, liegst du in den meisten Fällen richtig. Und ein wichtiger Unterschied bleibt: Vieles, was im akuten Schub tabu ist, kann später in kleinen Mengen wieder dazukommen – wenn das Pferd stabil ist und die Ursache im Griff. Bei EMS oder Insulindysregulation bleibt die Zurückhaltung allerdings dauerhaft strenger.
Wenn das Futter zum Problem geworden ist, liegt ein Gedanke nahe: je weniger, desto besser. Bei Energie stimmt das – bei Nährstoffen nicht. Genau hier passiert ein folgenschwerer Fehler.
Der Unterschied steckt im Wort „Diät“. Bei Hufrehe heißt Diät: weniger Zucker, weniger Stärke, weniger Kalorien. Sie heißt nicht: weniger Mineralstoffe und Vitamine. Im Gegenteil – wenn Gras und Kraftfutter wegfallen, fehlen oft genau die Nährstoffe, die sonst darüber reingekommen sind. Ein reines Heu-Pferd ist energetisch gut versorgt, bei Mineralstoffen und Spurenelementen aber häufig unterversorgt.
Ein passendes Mineralfutter gleicht das aus, ohne den Stoffwechsel zu belasten. Worauf du beim Etikett achten solltest:
Melassefrei: Melasse ist Zucker – in einem Rehe-Mineralfutter hat sie nichts verloren, dient aber oft als Bindemittel oder Lockstoff.
Getreidefrei: kein Hafer, Mais oder Weizen als Träger, die unnötig Stärke mitbringen.
Kalorienarm: ein Mineralfutter soll Nährstoffe liefern, keine Energie draufpacken.
Passend zur Heuanalyse: Erst die Analyse zeigt, was im Heu fehlt. Danach lässt sich gezielt ergänzen, statt blind ein Standardprodukt zu geben.
Und ein Punkt, der im Stall oft schiefläuft: Stoffwechselpulver, Kräutermischungen und „Rehe-Spezialfutter“ wirken wie die einfache Lösung – ein Eimer, ein Versprechen, Problem gelöst. So funktioniert es nicht. Solche Produkte ersetzen weder die Ursachenabklärung noch eine durchdachte Ration. Manche enthalten sogar selbst Zucker oder Melasse. Lies die Zusammensetzung, statt dem Etikett-Versprechen zu vertrauen – und kläre die eigentliche Ursache mit dem Tierarzt, statt sie zu überpulvern.
Kurz: Energie runter, Nährstoffe halten. Ein Rehe-Pferd soll abnehmen oder stabil bleiben, aber nicht in einen Mangel rutschen.
Der akute Schub ist überstanden – jetzt entscheidet sich, ob es dabei bleibt. Hufrehe-Fütterung ist kein Schalter, den man nach der Krise wieder umlegt, sondern läuft in drei Phasen, die ineinander übergehen. Jede hat ihren eigenen Fokus.
Hier ging es um Soforthilfe: Tierarzt, Gras und Kraftfutter raus, kontrolliertes zuckerarmes Raufutter, dazu Schmerz- und Hufmanagement. Solange das Pferd akut fühlig ist, gilt diese strenge Linie ohne Ausnahmen.
Sobald sich die Lage beruhigt, geht es darum zu verstehen, warum die Rehe gekommen ist. Das ist der wichtigste Schritt gegen den nächsten Schub:
Heuanalyse machen lassen und die Ration darauf aufbauen.
Gewicht und Body Condition Score ehrlich einschätzen – wo steht das Pferd wirklich?
EMS, PPID/Cushing und Insulinstatus beim Tierarzt abklären lassen. Ohne diese Diagnose fütterst du im Blindflug.
Mineralversorgung passend zur Analyse anpassen.
Jetzt wird aus der Krisenfütterung ein dauerhaftes Management:
Gewicht kontrollieren und Übergewicht konsequent abbauen – langsam, nicht per Hungerkur.
Weidekonzept festlegen: Fressbremse, Portionsweide, Risikophasen meiden (siehe Abschnitt 4).
Bewegung wieder aufbauen, aber erst nach tierärztlicher Freigabe.
Regelmäßige Hufbearbeitung durch Schmied oder Hufpfleger – die Fütterung ist nur ein Teil.
Ration dokumentieren, damit du bei einem Rückfall nachvollziehen kannst, was sich verändert hat.
Wie lange Phase 2 dauert und wie streng Phase 3 bleibt, hängt stark von der Ursache ab. Ein Pferd, das nach einmaligem Futterfehler Rehe bekommen hat, kann mehr Spielraum zurückgewinnen. Ein Pferd mit EMS oder PPID braucht das strenge Management dauerhaft – die Fütterung wird dann zum festen Teil des Alltags, nicht zur vorübergehenden Maßnahme.
Drei Pferde, dieselben Regeln – aber drei verschiedene Ausgangslagen. Die folgenden Beispiele sind als Orientierung gedacht, nicht als fertige Dosieranleitung. Die genaue Ration hängt immer von Gewicht, Heuanalyse und tierärztlicher Einschätzung ab.
Der häufigste Fall – und der, bei dem die Versuchung am größten ist, zu radikal zu kürzen.
Zuckerarmes Heu in kontrollierter Menge, als Startorientierung Richtung 1,5 % des Körpergewichts (siehe Tabelle in Abschnitt 2)
Engmaschiges Heunetz, um die Fresszeit zu strecken und Fresspausen zu vermeiden
Kein Gras in den Risikophasen, später nur mit Fressbremse oder Portionsweide
Melassefreies Mineralfutter passend zur Heuanalyse
Keine Leckerlis, auch nicht „nur eins“ – bei einem Stoffwechselponys summiert sich das
Stabil, aber frisch aus der Krise – jetzt geht es ums kontrollierte Weiterfüttern.
Etwa 7,5–10 kg geeignetes Raufutter als grober Rahmen, je nach Körperzustand (folgt der Orientierung aus Abschnitt 2)
Kein Getreide, kein Müsli, kein zuckriges Mash
Heuanalyse als Grundlage für die weitere Ration
Langsame Anpassung nach tierärztlicher Freigabe, nichts überstürzen
Der Fall, den viele Ratgeber vergessen: Nicht jedes Rehepferd ist dick. Gerade ältere Pferde mit PPID sind oft eher zu dünn – und brauchen Energie, ohne dass der Insulinspiegel hochschießt.
Energie über Fett und Faser statt über Zucker und Stärke – also nicht einfach weiter reduzieren
Zucker-/stärkearme Heucobs oder andere geeignete Faserprodukte, eingeweicht
Öl (z. B. Leinöl) als zuckerfreie Energiequelle, aber nur nach fachlicher Beratung
Eiweißversorgung prüfen – für Muskelerhalt beim alten Pferd wichtig
Zähne, Schmerzen und PPID abklären – oft steckt mehr hinter dem Gewichtsverlust als die Fütterung allein
Diese drei Fälle zeigen die Spannweite: Vom Pony, das abnehmen muss, bis zum alten Pferd, das zunehmen soll – die Grundregel „zucker- und stärkearm“ gilt für alle, der Rest unterscheidet sich deutlich.
Die meisten Fütterungsfehler bei Hufrehe passieren nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus gut gemeinter Sorge. Diese hier siehst du im Stall am häufigsten:
Aus Angst hungern lassen. Lange Fresspausen oder radikal gekürztes Heu entlasten den Huf nicht – sie bedeuten Stress und können bei Ponys eine gefährliche Hyperlipämie auslösen. Kontrolliert füttern statt aushungern.
Nur auf die Heumenge schauen, nicht auf den Zuckergehalt. Sieben Kilo zuckerreiches Heu können problematischer sein als acht Kilo zuckerarmes. Die Menge stimmt erst, wenn auch der Wert passt.
Eine kurze „Magerweide“ für sicher halten. Kurzes, ständig nachwachsendes Gras ist oft besonders zuckerreich – abgefressen heißt nicht harmlos.
Karotten, Äpfel und Leckerlis unterschätzen. „Ist doch nur Obst“ – im Schub sind das echte Zuckerquellen, die komplett pausiert werden.
Das Mineralfutter komplett streichen. Weniger Energie ja, weniger Nährstoffe nein. Ein reines Heu-Pferd rutscht sonst schnell in einen Mangel.
Mash oder getreidefreies Müsli automatisch für geeignet halten. „Getreidefrei“ heißt nicht „zuckerfrei“. Viele Produkte stecken trotzdem voller Zucker oder Melasse – Zusammensetzung lesen.
Wässern, aber Hygiene und Mineralverluste ignorieren. Gewässertes Heu verliert nicht nur Zucker, sondern auch Mineralstoffe, und verdirbt bei Wärme schnell. Kein Dauerersatz für analysiertes Heu.
EMS und PPID nicht abklären lassen. Ohne Diagnose fütterst du im Blindflug und behandelst nur das Symptom, nicht die Ursache.
Nach dem Schub zu schnell wieder anweiden. Der häufigste Weg in den nächsten Schub. Weide kommt erst kontrolliert zurück, wenn das Pferd stabil ist und der Tierarzt zustimmt.
Die richtige Hufrehe-Fütterung lässt sich auf einen Kern eindampfen: weniger Zucker und Stärke, nicht weniger Futter. Die Grundlage bleibt zucker- und stärkearmes Raufutter – im akuten Schub kompromisslos, ohne Gras, Kraftfutter und Leckerlis, aber niemals als Hungerkur. Was rausmuss, muss raus; was bleibt, bleibt in kontrollierter Menge.
Drei Dinge entscheiden, ob es dabei bleibt. Zu wissen, was wirklich im Heu steckt, statt es nach Farbe und Geruch zu beurteilen. Die Energie zu senken, ohne das Pferd in einen Nährstoffmangel zu treiben. Und die Ursache abzuklären – ob EMS, PPID oder ein einmaliger Futterfehler dahintersteckt, verändert das ganze weitere Management.
Der wichtigste Punkt bleibt der, mit dem alles beginnt: Die beste Fütterung ersetzt keine tierärztliche Behandlung. Sie ist dein stärkster Hebel für die Zeit nach dem Schub – damit aus einer Krise kein Dauerzustand wird und es möglichst kein nächstes Mal gibt.
Dominik Martzy schreibt über Tiergesundheit, natürliche Heilmethoden und bewährte Tiermedikamente für Hunde, Katzen und Pferde. Er recherchiert anhand veterinärmedizinischer Studien und Erfahrungen von Tierhaltern – mit dem Ziel, komplexe Gesundheitsthemen verständlich und alltagsnah aufzubereiten. Praktische Erfahrung im Umgang mit Tieren sammelte er als Volunteer in internationalen Tierschutzprojekten.