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Veraflox
7 Min. Lesezeit
Deine Katze hat eine Infektion, der Tierarzt hat Veraflox verschrieben – und jetzt willst du wissen, womit du es zu tun hast.
Dieser Artikel erklärt dir, wie das Antibiotikum wirkt, wie du die Suspension richtig gibst, welche Nebenwirkungen möglich sind und worauf du bei bestimmten Katzen besonders achten solltest.
Veraflox ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum speziell für Katzen. Der Wirkstoff heißt Pradofloxacin und gehört zur Gruppe der Fluorchinolone – einer Klasse von Breitspektrum-Antibiotika, die gegen eine Vielzahl von Bakterien wirksam sind.
Zugelassen ist Veraflox für zwei konkrete Einsatzbereiche:
Atemwegsinfektionen – wenn deine Katze an einer akuten Infektion der oberen Atemwege erkrankt ist, ausgelöst durch bestimmte Bakterien wie Pasteurella multocida, Escherichia coli oder Stämme der Staphylococcus intermedius-Gruppe.
Wundinfektionen und Abszesse – häufig die Folge von Bisswunden nach Revierkämpfen, bei denen sich Bakterien tief im Gewebe festgesetzt haben.
Wichtig zu wissen: Veraflox ist kein Allround-Antibiotikum, das bei jeder Infektion eingesetzt werden sollte. Fluorchinolone gelten als sogenannte Reserve-Antibiotika – das bedeutet, sie kommen erst dann zum Einsatz, wenn andere Antibiotika nicht ausreichend gewirkt haben oder von vornherein ungeeignet sind. Dein Tierarzt hat Veraflox also nicht leichtfertig verschrieben, sondern bewusst abgewogen.
Zur Blasenentzündung bei Katzen: Veraflox wird gelegentlich auch bei Harnwegsinfektionen eingesetzt, ist dafür aber offiziell nicht zugelassen. Ob das in eurem Fall sinnvoll ist, hat dein Tierarzt beurteilt.
Pradofloxacin greift direkt in die Vermehrung der Bakterien ein. Es blockiert zwei Enzyme – die DNA-Gyrase und die Topoisomerase IV – die Bakterien brauchen, um ihre Erbinformation zu kopieren. Ohne diese Enzyme können sich die Erreger nicht mehr teilen und sterben ab. Die Wirkung setzt schnell ein und ist umso stärker, je höher die Wirkstoffkonzentration im Gewebe ist.
Ein Vorteil von Pradofloxacin gegenüber älteren Fluorchinolonen ist die Wirksamkeit gegen ein besonders breites Bakterienspektrum – gram-positive, gram-negative und sogar anaerobe Keime. Das macht es bei Wundinfektionen und Abszessen besonders nützlich, wo oft mehrere Bakterienarten gleichzeitig beteiligt sind.
Fluorchinolone sind wirksam – aber ihr breiter Einsatz fördert Resistenzen. Bakterien, die regelmäßig mit Fluorchinolonen konfrontiert werden, entwickeln Mechanismen, um sich zu schützen. Diese Resistenzen können sich auch auf andere Antibiotika derselben Klasse übertragen. Deshalb empfehlen Tierärzte, Veraflox nur dann einzusetzen, wenn andere Mittel nicht greifen – und immer auf Basis einer Erregerdiagnostik.
Veraflox wird in der Praxis vor allem bei hartnäckigen Infektionen eingesetzt, wenn andere Antibiotika nicht ausreichend gewirkt haben. Was das im Alltag bedeutet – wie schnell es wirkt, wie Katzen die Suspension aufnehmen und was an Nebenwirkungen auftreten kann – zeigen diese Erfahrungen von Katzenhaltern.
“Unsere Katze hatte eine hartnäckige Hautinfektion – nach mehreren erfolglosen Antibiotika-Versuchen hat der Tierarzt schließlich Veraflox verschrieben, mit Verdacht auf Mykobakterien. Es wirkt, aber langsam. Nach 7 Tagen laut Beipackzettel haben wir auf Rücksprache mit dem Tierarzt weitergemacht, weil sich eine deutliche Besserung abzeichnete. Wer bei solchen Infektionen auf schnelle Ergebnisse hofft, muss Geduld mitbringen.”
(Quelle: katzen-forum.net/threads/veraflox-therapiedauer.169167)
“Mein Kater Billy hatte Husten – der Tierarzt hat ihm freitags eine Antibiotikaspritze gegeben und ab Sonntag kam Veraflox einmal täglich dazu. Am dritten Tag hatte er weichen Kot mit Blähungen. Laut Beipackzettel sind leichte Magen-Darm-Beschwerden eine bekannte Nebenwirkung. Bei Billy hat es sich nach ein paar Tagen von selbst gelegt.”
(Quelle: netzkatzen.de/threads/veraflox-und-nun-weicher-kot-blaehungen.164828/)
“Unsere Siam-Katze Mia hatte einen Abszess am Hinterbein nach einem Revierkampf. Der Tierarzt hat Veraflox für 7 Tage verschrieben. Wir waren skeptisch, weil die Schwellung anfangs noch zunahm – aber ab dem dritten Tag hat sie spürbar nachgelassen. Am Ende der Kur war die Wunde sauber verheilt. Die Suspension hat Mia überraschend gut angenommen, wahrscheinlich wegen des Vanillearomas.”
Die Berichte spiegeln wider, was auch der Beipackzettel beschreibt: Veraflox wirkt, aber nicht immer sofort – besonders bei tiefen Haut- oder Gewebeinfektionen kann es mehrere Tage dauern, bis eine sichtbare Besserung eintritt. Leichte Verdauungsprobleme wie weicher Kot sind möglich, gehen aber meist von selbst wieder weg.
Wichtig: Die Behandlungsdauer sollte immer mit dem Tierarzt abgesprochen werden – auch wenn die Kur laut Beipackzettel nach 5 oder 7 Tagen endet, kann es im Einzelfall sinnvoll sein, länger zu behandeln. Das ist keine Entscheidung, die du alleine treffen solltest.
Veraflox wird einmal täglich gegeben. Die Menge richtet sich nach dem Körpergewicht deiner Katze – je schwerer sie ist, desto mehr Suspension wird aufgezogen. Als Richtwert gilt: 5 mg Pradofloxacin pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
In der Packung liegt eine Dosierspritze mit Milliliter-Einteilung. Die Tabelle auf dem Beipackzettel zeigt dir genau, wie viel Milliliter du für das jeweilige Gewicht aufziehen sollst:
Einmal täglich · 25 mg/ml · Grunddosis: 5 mg/kg Körpergewicht
| Körpergewicht | Menge (ml) | Dosisbereich |
|---|---|---|
| bis 1 kg | 0,2 ml | 5,0–7,5 mg/kg |
| 1–1,5 kg | 0,3 ml | 5,0–7,5 mg/kg |
| 1,5–2 kg | 0,4 ml | 5,0–6,7 mg/kg |
| 2–2,5 kg | 0,5 ml | 5,0–6,3 mg/kg |
| 2,5–3 kg | 0,6 ml | 5,0–6,0 mg/kg |
| 3–3,5 kg | 0,7 ml | 5,0–5,8 mg/kg |
| 3,5–4 kg | 0,8 ml | 5,0–5,7 mg/kg |
| 4–5 kg | 1,0 ml | 5,0–6,3 mg/kg |
| 5–6 kg | 1,2 ml | 5,0–6,0 mg/kg |
| 6–7 kg | 1,4 ml | 5,0–5,8 mg/kg |
| 7–8 kg | 1,6 ml | 5,0–5,7 mg/kg |
| 8–9 kg | 1,8 ml | 5,0–5,6 mg/kg |
| 9–10 kg | 2,0 ml | 5,0–5,6 mg/kg |
Das hängt vom Einsatzgebiet ab. Bei Atemwegsinfektionen sind in der Regel 5 Tage vorgesehen, bei Wundinfektionen und Abszessen 7 Tage. Zeigt sich nach drei Tagen keine spürbare Verbesserung, solltest du deinen Tierarzt informieren – dann ist möglicherweise eine andere Behandlung nötig.
Die Kur immer vollständig durchziehen, auch wenn deine Katze sich schon früher besser fühlt. Wer zu früh abbricht, riskiert, dass nicht alle Bakterien abgetötet wurden – und Resistenzen entstehen leichter.
Veraflox für Katzen gibt es ausschließlich als orale Suspension – also als Flüssigkeit zum Eingeben. Tabletten sind für Katzen nicht zugelassen und nicht erhältlich. Falls du online auf Veraflox-Tabletten stößt, handelt es sich um das Hundepräparat, das für Katzen nicht geeignet ist.
Die Suspension hat einen künstlichen Vanillegeschmack, was die Gabe bei vielen Katzen erleichtert. Trotzdem kann es sein, dass deine Katze sich sperrt.
Vor jeder Anwendung die Flasche 10 Sekunden kräftig schütteln, damit sich die Suspension gleichmäßig verteilt. Dann die beigelegte Dosierspritze auf die richtige Menge aufziehen, den Spritzenkopf vorsichtig in den Mundwinkel deiner Katze einführen und die Suspension langsam in die Backentasche abgeben – nicht direkt in den Rachen, damit sie nicht verschluckt wird oder hustet.
Nach der Gabe die Spritze mit Leitungswasser ausspülen und zurück in die Schachtel legen. Dieselbe Spritze darf nicht bei mehreren Tieren verwendet werden.
Technisch ja – aber nicht ideal. Studien zeigen, dass die Aufnahme des Wirkstoffs bei gefütterten Katzen etwas geringer ausfällt als bei nüchternen. In der Praxis hatte das keinen messbaren Einfluss auf den Behandlungserfolg. Trotzdem empfiehlt sich die Gabe vor der Mahlzeit, wenn deine Katze das toleriert.
Veraflox ist gut verträglich. Laut Beipackzettel treten Nebenwirkungen nur selten auf – das bedeutet bei weniger als 1 von 1.000 behandelten Tieren. Am häufigsten sind vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden wie weicher Kot oder Erbrechen. Diese gehen in der Regel von selbst wieder weg und sind kein Grund, die Behandlung abzubrechen.
Wenn deine Katze anhaltend erbricht, die Nahrung komplett verweigert oder sich insgesamt verschlechtert statt verbessert, solltest du Rücksprache halten. Das gilt auch, wenn du neurologische Auffälligkeiten bemerkst – Fluorchinolone können in seltenen Fällen das Zentralnervensystem beeinflussen, besonders bei Tieren, die bereits zu Anfällen neigen.
Ein wenig bekannter Hinweis aus dem Beipackzettel: Pradofloxacin kann die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Während der Behandlung sollte deine Katze also nicht übermäßig in der prallen Sonne liegen – vor allem wenn sie helles oder wenig pigmentiertes Fell hat.
Falls deine Katze gleichzeitig andere Mittel bekommt, lohnt sich ein kurzer Check:
Antazida, Sucralfat oder Multivitaminpräparate mit Eisen, Zink oder Magnesium können die Aufnahme von Pradofloxacin im Darm deutlich verringern. Mindestens 2 Stunden Abstand einhalten.
Milchprodukte haben denselben Effekt – also kein Käse oder Joghurt rund um die Gabe.
Theophyllin (bei Atemwegserkrankungen eingesetzt) und Digoxin (Herzmedikament) sollten nicht gleichzeitig mit Fluorchinolonen gegeben werden, da sich die Wirkspiegel gegenseitig beeinflussen können.
Hier ist Vorsicht geboten – und der Beipackzettel ist eindeutig.
Trächtige und säugende Katzen dürfen nicht mit Veraflox behandelt werden. In Tierstudien hat Pradofloxacin bei hohen Dosen Missbildungen am Auge des Nachwuchses verursacht. Außerdem ist bekannt, dass Fluorchinolone die Plazentaschranke überwinden und in die Muttermilch übergehen. Da belastbare Sicherheitsdaten fehlen, gilt ein klares Nein – unabhängig vom Trächtigkeitsstadium oder der Stillphase.
Katzenwelpen unter 6 Wochen sollten ebenfalls nicht behandelt werden, weil schlicht keine Daten zur Sicherheit in dieser Altersgruppe vorliegen.
Ab 6 Wochen ist die Datenlage besser: Anders als bei Hunden verursacht Pradofloxacin bei Katzenwelpen ab diesem Alter keine nachweisbaren Schäden am wachsenden Gelenkknorpel. Trotzdem gilt: Katzen mit bestehenden chronischen Knorpelschäden sollten kein Veraflox bekommen, weil sich diese unter der Behandlung verschlechtern können.
Wenn deine Katze gerade trächtig ist oder säugt und eine Infektion behandelt werden muss, wird dein Tierarzt auf ein anderes Antibiotikum ausweichen – es gibt Alternativen, die in dieser Situation besser geeignet sind.
Veraflox ist ein wirksames Antibiotikum, das gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Wenn dein Tierarzt es verschrieben hat, kannst du davon ausgehen, dass er die Erkrankung deiner Katze sorgfältig eingeschätzt hat – Fluorchinolone werden nicht leichtfertig verordnet.
Die Behandlung ist unkompliziert: einmal täglich die richtige Menge Suspension eingeben, die Kur vollständig durchziehen, auf ein paar wenige Wechselwirkungen achten. Die meisten Katzen vertragen Veraflox gut.
Zeigt sich nach drei Tagen keine Verbesserung oder verschlechtert sich deine Katze – dann zurück zum Tierarzt. Nicht abwarten.
Dominik Martzy schreibt über Tiergesundheit, natürliche Heilmethoden und bewährte Tiermedikamente für Hunde, Katzen und Pferde. Er recherchiert anhand veterinärmedizinischer Studien und Erfahrungen von Tierhaltern – mit dem Ziel, komplexe Gesundheitsthemen verständlich und alltagsnah aufzubereiten. Praktische Erfahrung im Umgang mit Tieren sammelte er als Volunteer in internationalen Tierschutzprojekten.